Gedichte II

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Das Portal der Predigerkirche in Erfurt

Joh. 1,5

“Das Licht kam in die Finsternis, und die Finsternisse hat´s nicht ergriffen.”

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Irgendwo in D

 

Die Straßen endlos, fleckig wie Erbrochenes

münden in Paläste, wo König Versicherung regiert

immer riecht es nach Schule, Scheuermittel und Brot

 

Gekachelte Schlachthäuser spucken Blut in den Fluss

endlich tragen die Rinder humane Binden

über todgeweihten Augen, rückwärts gewandt

 

Touristenfalle Loreley unbekannt verzogen

die blondierte Tochter hat 890 Facebook-Freunde

Gaststätten-Unruhe, nie schmeckte Bier bitterer

 

Das ist der ewige Bericht vom Erdenrund,

meint Baudelaire

Ich weiß nicht, ob wir den Ausländertarif für Sie beantragen können,

sagt die Sachbearbeiterin aus Brandenburg

 

Claudia Simone Dorchain, 2012

 

 

 

Berlin

 

Chaplins Räder im Getriebe

Döblins Alexanderplatz,

Zarah Leanders schöne Beine.

Kurt Tucholsky besingt

die ewig ferne Liebe -

vorbei, verweht, nie wieder.

 

Unter Flaggen sitzt der Führer,

in “Kabale und Liebe”

krümmt sich der Wurm.

Vogel Tucholsky ist ausgeflogen,

mit ihm die ganze Schar -

vorbei, verweht, nie wieder.

 

Lebendige Kulisse, früher wie heute, Zeitriss.

Berlin, nie eine Stadt, stets ein Projekt, abwärts.

Zuflucht der Flüchtigen, Endstation der Ruhelosen,

Transfer der Toten.

 

Claudia Simone Dorchain, 2009

 

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